Bündische Freischar, Horst DetmoldFahrtentagebuch der Großfahrt 1947Steinhuder Meer (Teuto Lager) |
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Das Folgende ist ein Transskript
der zum Teil nur noch schlecht lesbaren bleistiftgeschriebenen Originalberichte.
Geändert habe ich nur einige Rechtschreibfehler oder Auslassungen.
Unverändert gelassen habe ich Grammatik und Stil der Schreiber und
auch die unterschiedlichen Schreibweisen einzelner Spitznamen. Oktober 2003 Karl Friedrichs Das
Fahrtenbuch wird folgendermaßen geführt: Eintragungen werden mit Blei
vorgenommen. Es werden sämtliche Ereignisse (Geländespiele,
Fahrten, Baden, Überfälle usw.) eingetragen. Speisezettel und
Wetter wird ebenfalls erwähnt. Jeder behält das Buch 24 Stunden
– von 8h bis 8h morgens. |
18. Juli – ... Ich habe am Mittwoch (16.7.) einen
Brief erhalten, in dem Ekke mich schon zum 21. (Mo) nach Clausthal einlädt.
Ich kann aber vor dem 23. nicht hin. Schade – sonst hätte ich noch
5 Tage im Harz verbringen können. Die Fahrt dorthin dauert über
13 Stunden. Ich muß hier um 5.24 los und bin dann um 19.17 in Clausthal.
Ich will zusehen, daß ich wenigstens den 23. frei kriege. – Mutter
hat heute unsere Hemden gefärbt. 20. – An diesem Wochenende findet aus Anlaß der 800-Jahrfeier Lippes eine Landeschau statt, bei der wir Schüler als Aufpasser im Schulraum eingesetzt werden. ... Ich habe von „Simba“ freigekriegt (für Mittwochmorgen, den 23.). 22. – Den ganzen Tag über wird im „Leopoldinum“ ein großes Schulfest durchgeführt, dessen Organisation zum großen Teil bei den Schülern der Oberklassen lag. ...Gestern abend haben wir Fahrtenappell gemacht. Sturhann wollte seine Zeltbahnen wiederhaben, aber wir haben jetzt ja doch noch unser großes Zelt behalten. - Morgen früh um 5.24 geht meine Reise los. Ich will mir nur jetzt schon eine Karte kaufen. 23. – aufstehen um 4.15. Um 5.24 fährt mein Zug. In Herford eine Stunde Aufenthalt. Um 10.20 bin ich in Hannover. Ich habe viele Jugendgruppen auf Fahrt gesehen. Überall fahren und laufen welche mit Affen herum. Zu den schönen Bahnhofszitaten, die ich in Hannover gehört habe (1.6.) kommt noch ein wundervolles Wort: „Bitte Platz nehmen!“ (Gerufen in Bückeburg bei einem ziemlich vollen Zug) – Um 12.20 geht es weiter nach Hildesheim. Es ist ein voller Eilzug, der von Hannover als beschleunigter PersonenZug läuft. In Hildesheim wartet schon der Goslarer. Er ist schon völlig überfüllt. Ich setze mich zwischen zwei Wagen. Die Sache geht prima. Jedenfalls sitze ich hier besser, als ich im Wagen stehen würde. In Goslar kommen wir um 15.10 an. Hier habe ich bis 18.10 Aufenthalt, während ich in Hildesheim nur 5 Min. Zeit zum Umsteigen hatte. Bis Goslar habe ich meinen Stock immer mitgenommen, aber jetzt ist er mit dem Zug weggefahren. Ich merke es erst, als der Zug schon fährt. Da ist es zu spät. – In Goslar mache ich erstmal Mittag. Kaffee mache ich gleich anschließend. Jetzt ist es 15.50 und ich habe noch über 2 Stunden Zeit. In Hannover habe ich gehört, daß heute Nacht in Hamburg ein Unglück geschehen ist. Von dem Mitternachtszug (mit dem ich auch gefahren bin) sind beim Dammtorbahnhof mehrere Personen von einem Kohlenzug herabgerissen worden. Der Zug war mal wieder fürchterlich überfüllt. Es hat 13 oder 14 Tote gegeben und 8 Verletzte. Schon in Altona ist eine Frau zwischen Zug und Bahnsteigkante gekommen. Die Rettungsaktion am Dammtorbahnhof hat über 4 Stunden gedauert. Eine Frau, die mit mir fuhr, ist selbst dabei gewesen. Um 18.10 fährt der Zug nach Clausthal. Vorher habe ich mir noch etwas Goslar angesehen. – Eine Stunde lang schlängelt sich der Zug durch die schönsten Waldgegenden. Sogar einen kleinen Tunnel gibt es. Dann ist er in Clausthal-Zellerfeld. Ich soll aber nach Clausthal-Ost. Dazu muß ich in die drei letzten Wagen umsteigen. Sie sind schon überfüllt, und darum fahre ich das letzte Stück wieder zwischen den Wagen. Ekke wartet schon am Bahnhof. Er bringt mich zu ihrem Haus und dort wird erstmal Abendbrot gegessen. – Das Wetter war den ganzen Tag schön. 24. – Morgens in die Clausthaler Badeanstalt. Sie ist in einem großen, schön gelegenen Teich. Das Wasser ist klar und rein. Wir leihen uns von 11 – ½ 12 einen Kahn. Um 13 Uhr müssen wir wieder zurück sein. Am Nachmittag zeigt Ekke mir die Stadt. Um ½ 16 Uhr sollen wir zu seinem Vater in das Hauptgebäude der Bergakademie kommen, an der Herr Borchert seit Beginn des Sommersemesters wieder als Professor tätig ist. Er zeigt uns die Mineralogische Sammlung. Sie ist sehr reichhaltig. Steine aus aller Herren Länder sind dort vorhanden. Zum Abschluß zeigt er uns noch einen Dünnschliff unter dem Mikroskop. Abendbrot um 18 Uhr als wir zurückkommen. Dann schnell zum Hbf in Zellerfeld. Wir erkundigen uns, wann wir am Sonnabend von Goslar fahren können. Wir wollen nämlich Sonnabend Nacht nach Goslar wandern und von dort mit dem Frühzug nach Hannover. Der erste Zug fährt um 5.50. Er ist gegen 8 Uhr in Hannover. Um 10 Uhr geht's weiter nach Wunstorf, wo wir um ¾ 11 sind, d.h. nur eine Stunde nach den anderen. Und wir werden sie schnell einholen. 25. – Gestern abend war ein Gewitter. Heute ist aber wieder gutes Wetter. Ich hoffe, daß es gut bleibt, denn man sieht den Brocken nur unscharf, obwohl er nur 20 km entfernt ist. – Am vormittag laufen Ekke und ich bis 6 km vor Goslar, um den Weg kennen zu lernen. Es ist ein ziemlicher Weg. Den Nachmittag und Abend ruhe ich mich aus. Gehe früh ins Bett. |
| 1. Tag, 26.
Juli 1947 Morgens, 524 Abfahrt vom Bahnhof in Detmold. Als wir in Herford waren, hatten wir 50 Min. Aufenthalt und konnten von Herford ab ohne Umsteigen bis Wunstorf durchfahren. In Wunstorf wurden wir nicht von einem der drei abgeholt (die drei die vorfahren sollten, um einen Lagerplatz zu erkunden, waren Hämmeck, Beutel und Wolfgang Herbig). Als wir uns soeben in die Kleinbahn, die von Wunstorf nach Steinhude fährt, begeben hatten, erschienen auch Karl und Ecke. Gemeinsam erreichten wir Steinhude, wo uns Beutel entgegenkam. Wir machten uns zum Landungssteg auf und nach 3 Stunden erwischten wir ein Boot, das uns zum Weißen Berg übersetzte. Nach der An-kunft Zelt aufgebaut und Lagerplatz in Ordnung gebracht. Danach wurde Abendbrot gegessen und hiernach war Freizeit. Später saßen wir ums Lagerfeuer, als ein paar Personen uns darauf aufmerksam machten, daß das Brennen im Moor verboten ist (Moorbrandgefahr). Wir beschlossen, am nächsten Tage einen anderen Lagerplatz zu suchen. |
26. – Schon um ½ 2 stehe ich wieder auf. Auf schlechten Wegen
geht es stundenlang in Richtung Goslar. Gerade noch rechtzeitig kommen zum
Zug um 5.50 Uhr nach Goslar. Der Zug ist ziemlich voll. Er geht durch bis
Hannover. Wir haben Glück und können gleich mit dem Bremer Zug
weiter fahren. Wir sind nur 20 Minuten später in Wunstorf als die anderen.
Wir treffen sie im Zug nach Steinhude. Dort müssen wir erst lange auf
Hemmek warten. Schließlich kommt Beutel. Er führt uns zur Landungsbrücke.
Dort müssen wir bis 16 Uhr warten, bis uns ein Boot mitnimmt. – Vorher
baden wir. Das Wasser ist sehr flach. – Wir landen bei der Moorhütte,
etwa 10 Minuten entfernt vom Weißen Berg. Wir ziehen von Hemmeks Lagerplatz
um ins Moor. Dort werden wir aber verjagt, weil wir auf dem Torf Feuer angemacht
haben. Der erste Tag im Lager ist zuende. |
| 2. Tag, 27.
Juli 1947 Morgens 730 Uhr aufstehen. Dann Waschen u. Baden. Schlafplatz in Ordnung bringen. Voraussichtlich Waldlauf. Frühstücken; aus dem Waldlauf wird nichts. Von 900 Uhr bis 1000 Uhr ist allgemeine Freizeit. Karl und Hemmeg suchen einen besseren Zeltplatz. Wahrscheinlich ziehen wir doch an den alten zurück. Wir müssen uns beeilen, das Wetter ist unsicher. Danach Mittagessen. Satt u. faul dösen wir in der Sonne.
Endlich wird ein Buch vorgelesen (Kai aus der Kiste). Plötzlich
erscheinen 3 große Jungs, sie reden mit Horst eine Weile. Derweil singen
wir unsere Lieder. Die 5 Mann ziehen ab und wir sind immer noch im Zweifel,
ob wir zu dem anderen Lagerplatz gehen. Wir entschließen uns, erst
morgen zu ihm umzuziehen. Dann baden wir, die Sonne scheint wieder schön.
Walter liest aus Kai vor. Um 700 Uhr Abendbrotessen. Danach wird
aus dem Buch „Drei Jungen auf einer Insel“ vorgelesen. Alle außer der
Lagerwache gehen hinunter zur Moorhütte, um Bier zu trinken. Karl knipst
ein Bild vom gewöhnlichen Lagerleben. 1000 Uhr Nachtruhe. |
27. – Hemmek und ich gehen den ganzen Strand bis Mardorf hinab und
suchen einen anderen Lagerplatz. Wir finden nichts was uns zusagen würde.
Es wird beschlossen, daß wir auf den alten Lagerplatz Hemmeks zurückkehren.
Der Umzug soll morgen vor sich gehen.. Am Abend schwimme ich noch ein Stück
in das Meer hinaus mit Horst zusammen. Dann haut Horst ab. Er muß morgen
um 11 Uhr in Oerlinghausen sein. Darum fährt er schon heute abend.
Wir lesen vor aus „Drei Jungen auf einer Insel“. Ich mache meine erst Aufnahme.
Um 10 Uhr Nachtruhe. |
| 3. Tag, 28.
Juli 1947 Morgens 630 aufstehen. Dann wurde gewaschen und anschließend gefrühstückt. 930 mußten Karl und Walter in die Stadt und Brot holen. Kurz danach brachen unter Helmuts Führung die anderen das Zelt ab. Es wurde an dem vorher bestimmten Platz aufgeschlagen und ein Proviantzelt daneben. Hemeck schaufelte einen Weg um das Zelt, welcher mit Sand ausgefüllt wurde. Anschließend mußten wir Gras schneiden und das Zelt damit ausfüllen. Um 1 Uhr kamen Walter und Karl wieder und brachten 6 Brote und andere Lebensmittel mit. Als Walter und Karl wieder gekommen waren mußte Helmut mit Beutel Gemüse holen. Danach als die beiden weg waren gingen wir baden. Karl und Bübchen Misikowski (gehört nicht zum Lager) schwammen durchs Steinhuder Meer und kamen erst um 6 Uhr wieder. Natürlich war Karl sehr abgespannt und legte sich sofort ins Zelt. Zum Abendbrot wurde zum ersten mal Kaffee gekocht, der sehr gut schmeckte. Nach dem Abendessen las Walter aus dem Buch „Drei Jungen auf einer Insel“ etwas vor. Danach watzten wir noch bis 10 Uhr auf dem Weißen Berg herum. Dann machten wir auf unserem Lagerplatz ein Feuer an und anschließend war um 1030 Uhr Nachtruhe. |
28. – Aufstehen um ½ 7. Ich fahre mit Walter nach Steinhude.
Wir holen Brot, Butter, Käse und Marmelade. Es gibt Fisch in Steinhude.
Wir fahren mit einem Motorboot zurück. Hemmek und Beutel fahren am Nachmittag
nach Steinhude und kaufen Gemüse und Fisch ein. Als sie weg sind, gehen
wir anderen baden. Mit Bübchen Misikowski (der mit ein paar Freunden
in der Nähe zeltet, und den wir ebenfalls vom Jungvolk her kennen)
durchschwimme ich das Steinhuder Meer. 50 Meter vor dem anderen Ufer besteigen
wir ein Segelboot. Im Boot werde ich seekrank, weil ich seit heute morgen
nichts mehr gegessen habe. Am Abend habe ich Fieber. Beutel unser Feldscher
macht mir Umschläge. Hoffentlich ist es morgen wieder besser. |
| 4. Tag, 29.
Juli 1947 Morgens 630 hrs aufstehen. Anschließend wachen. Danach wollten 2 Mann zum Neubau gehen, Wasser holen; aber sie kamen mit leerem Topf wieder zurück. Walter hob dann eine Abkochstelle aus; zwischendurch wurde Marmelade und Butter ausgeteilt. 830 hrs frühstücken. Nach dem Frühs-tück ging Karl nach Neustadt, um Zusatzverpflegung zu beantragen, und Hämmeck fuhr mit Herbig nach Steinhude, um einzukaufen. Ein paar Mann machten eine Zeltgraben. 1030 Erprobung: „Erste Hilfe“, bei Walter und Beutel. Danach zeigte Beutel, wie man Verbände anlegt. Unterdessen kochte Waller mit Hubert Ziegler Pellkartoffel. Dann gingen die übrigen ins Wasser. Als Karl von Neu-stadt und Hämmeck mit Herbig von Steinhude noch nicht kamen, aßen wir Pellkartoffel mit Hering. Schließlich kam Karl; er brachte Trockengemüse und erzählte, daß wir noch 80 Pfund Gemüse-Konserven, ½ Pfund schwarzen Tee, 6 Pfund Fett usw. zusätzlich bekämen. Bald darauf kam Hämmeck und Herbig; sie brachten Wurzeln und Brot. Darauf gingen wir ins Wasser, außer Peter, der Eiter im Fuß hatte und außer Hämmeck, der einen Brief an Horst schrieb. Karl und Beutel machten sich ein Segel aus einer Zeltbahn und fuhren aufs Steinhuder Meer. Dann kamen alle zu-rück. Walter hatte Tee aufgesetzt. 545 wurden Wurzeln geschält. Anschließend Tee getrunken. Dann war Freizeit. Die Wurzeln wurden aufgesetzt. 630 hrs kam ein alter Pfadfinderführer, welcher auch aus Detmold war. Er sprach mit Karl und Hämmeck eine Zeit, dann sangen wir Lieder. Um 850 ging der Junge weg. 915 hrs Abendessen (Wurzeln mit Trockengemüse). 1030 hrs Nachtruhe. |
29. – Ich fühle mich wieder ganz wohl. Darum mache ich mich auf
den Weg nach Neustadt. Dorthin muß ich, um unsere Zusatzverpflegung
zu erhalten. Nach einem 2stündigen Marsch durch das Moor komme ich nach
Neustadt. Nach einigem Warte erhalte ich für jeden 50 g Brot pro Tag,
10 g Zucker und Butter und 20 g Nährmittel. Ferner 5 kg Trockengemüse,
40 Dosen Konserven und 250 g Tee. Das Trockengemüse bringe ich
gleich mit zum Zelt. – Heute gibt es Heringe mit Pellkartoffeln. – Hemmek
war mit Wolfgang in Steinhude. Walter und Beutel machen Vorbereitungen zur
Erprobung „Erste Hilfe“. – Es ist ziemlich starker Wind. Ich mache aus einer
Stange und einer Zeltbahn ein Segel. Das kommt ins Schlauchboot. Dann stechen
Beutel und ich in See.. Alle warten, daß wir ins Wasser fliegen. Aber
der Wind treibt uns ungefähr 300 Meter hinaus aufs Meer. Als wir wieder
zurück wollen, konnten wir nicht. Die Wellen waren zu stark. Als ich
ausstieg, schlug das Boot um. Wir lagen im Wasser. Dann habe ich das Boot
schwimmend wieder zurück gebracht. - Es gibt Tee am Nachmittag. – Es
kommt ein ehemaliger Pfadfinderführer zu uns. Er ist aus Barntrup. –
Am Abend gibt es Wurzeln und Trockengemüse. |
| 5. Tag, 30.
Juli 1947 630 Uhr morgens aufstehen, dann waschen und frühstücken. Dann wurden 4 Mann zum Einkaufen nach Steinhude geschickt. Diese 4 Mann waren Walter, Fuchs, Stewens und Hubert. Erst mußten die vier mit dem Schiffe übergesetzt werden, welches bei starkem Wellengang geschah. Stewens und Hubert mußten Gemüse einkaufen und Walter und Fuchs kauften Brote ein. Als die Einkäufe besorgt waren, traten alle 4 Mann den Rückweg an. Auf dem Anlegesteg standen schon sehr viele Leute. Das nächste Schiff lief ein, worauf die 4 sogleich nebst Proviant hineinsprangen. Die Leute, welche dort standen, fingen an zu schimpfen, aber die Jungen störten sich gar nicht daran, sondern fuhren quietschvergnügt heimwärts. Unterdessen verbesserten die Daheimgebliebenen das Zeltlager und erneuerten den Zaun, welches für die Proviantleute und auch für Karl und Beutel, welche in Neustadt waren, eine große Freude war. Darauf gab es Mittagessen, welches zwar sehr wenig war, aber doch sehr gut schmeckte. Nach dem Essen war bis 3 Uhr Lagerruhe. Nach der Ruhe war Prüfung (Erprobung „Erste Hilfe“), welche nicht bestanden wurde von Bronsema, Kuntze und Borchert. Dann wurde Brot verteilt und Essen gekocht. Dann wurde nach dem Essen die Singegruppe von einer anderen Pfadfindergruppe zum Lagerfeuer nach den Litauern eingeladen. |
30. – Heute ziehe ich wieder nach Neustadt, diesmal mit Beutel zusammen.
Wir holen den Tee und Nährmittel. Aus Steinhude holen 4 Mann Brot und
Gemüse. Heute Mittag gibt es Wurzeln und Kartoffeln. Zwar wenig aber
sehr gut schmeckend. – Das Lager ist mit einem Zaun umgeben worden. Am Nachmittag
ist Prüfung für die Erprobung „1. Hilfe“. Drei Mann bestehen sie
nicht. – Ich verteile Brot. Es gibt für 2 ½ Tage 2 Pfund Brot.
Heinz Brand, so heißt der Pfadfinder von gestern, lädt uns auf
21 Uhr zu den litauischen Pfadfindern ein. Ich mache drei Aufnahmen am Abend
(die aber nichts geworden sind, wegen der unzureichenden Lichtverhältnisse).
wir singen und erzählen am Lagerfeuer. anschließend werden noch
die Adressen ausgetauscht. – Das Wetter ist gut, aber windig. – Schluß
um 23 Uhr. |
| 6. Tag, 31.
Juli 1947 Morgens 730 Uhr aufstehen und waschen. Fuchs hat mit Schuhen geschlafen und Hämeck will ihm eine besondere Arbeit aufgeben. Darauf befahl Hämeck, daß Fuchs und Stephan im Proviantzelt schlafen sollen. Indem Fuchs und Stewens die Kochstelle ausbauten machten die anderen das Zeltinnere in Ordnung. Gott sei dank, daß wir gutes Wetter zu erwarten hatten, denn wir hatten einen Besuch von den Litauischen Pfadfindern zu erwarten. Nachdem wir unser Frühstück eingenommen hatten, wurde der Zeltplatz aufgeräumt du das Mittagessen vorbereitet. Nun wurde der Zeltgarten gemacht. Dann wurde gewaschen und gegessen. Dann gingen wir zum Baden. Karl und Bronsema gingen
nach Neustadt, um die zusätzlichen Konserven zu holen. Dann suchten
einige Brombeeren. Nun wurde gebadet und einige schliefen.
Gegen 7 Uhr kamen die Pfadfinder; dann wurde der süße, dicke
Brei gegessen. Nach einiger Zeit wurde ins Bett gegangen. Nachtruhe 1000
Uhr.
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31. – die Litauer wollen am Mittag zu uns kommen, um sich fotografieren
zu lassen. Für uns ist das die Gelegenheit, den Zeltgarten in Ordnung
zu bringen. ein Sitzkreis wird gebaut. Um 11 Uhr sind wir mit allem fertig,
aber unsere Freunde erscheinen nicht. sie haben keine Zeit. Nun wollen sie
um 19 Uhr kommen. – Ich ziehe mit Rolf Bronsema nach Neustadt. Wir hole Wurst
und Nährmittel. – Um 19 Uhr kommen die Litauer. Wir machen zwei Aufnahmen.
Danach Abendbrotessen. Es gibt süße Graupen. |
| 7. Tag, 1.
August 1947 Morgens 7 Uhr wurde geweckt. Die beiden Köche Beutel und Kurt haben Kaffee gekocht. Fuchs und Stephan sind nach Steinhude zum Milch holen. Waller, Herbig, Ziegler und Stewens sind auch nach Steinhude gefahren. Als sie fort waren haben wir gefrühstückt mit Schweigezeit. Wir haben dann Lagerarbeit gemacht. Als wir damit fertig waren, haben wir Gemüse geputzt. Die beiden Köche Beutel und Kurt haben ein wohlschmeckendes Gericht bereitet, Kartoffeln und Spinat. Nach dem Essen haben wir bis 4 Uhr Freizeit. Anschließend hatten wir Kartenkunde, aber damit waren wir nicht weit gekommen, denn es kamen die Bukitrucht Mädchen und Bukitrucht Jungen. Dann sind wir nach dem Pyrmonter Eichentruchtlager gegangen. Das Abendbrot war den Köchen auch wieder gut geraten, es gab Milchsuppe mit Nudel. Als wir mit dem Essen fertig waren, haben Kuntze und Bronsema das Geschirr gespült. In der Zeit hat Gottschalk Holz für ein Lagerfeuer gemacht und Hemmeck hat es angelegt. Dann haben wir das Feuer angezündet und haben gesungen. Zwei Führer von der Eichentrucht waren da. Nachtruhe 10 Uhr. |
01. - Gestern abend ist die Eichentrucht (Pyrmont) gekommen. Heute
ist Wiko zum Strandbad gekommen. Er will heute rüberkommen. Und wirklich,
am Nachmittag bekommen wir am laufenden Band Besuch. Eine Gruppe nach der
anderen kommt. Eigentlich wollten wir Knotenkunde machen. – Mittags: Spinat
mit Kartoffeln. Abends: Nudelsuppe (Milch). – Am Lagerfeuer Singen und Erzählen.
Wetter: prima warm. |
| 8. Tag, 2.
August 1947 645 aufstehen. Anschließend waschen und frühstücken. Nach dem Frühstück gingen Karl und Walter nach Neustadt, um einzukaufen. Eben hatten Kuddi und Ekke ein paar Stöcke zum Tor bauen geholt, denn in der Nacht war uns das Schild mit unserem Namen geklaut worden. Heute Mittag wollen wir zum Gaulager am Strandbad. Nach einer kleinen Freizeit mußten wir Schilf suchen. Daraus bauten wir einen neuen Zaun. Danach liegen wir mal wieder im Zelt und lesen.. Um 1130 fuhren wir zum Strandbad. Wir mußten selber paddeln, aber es machte Spaß. Vom Strandbad gingen wir zum Rats-Keller um zu essen. In dem Essen war sogar etwas Fleisch. Danach gingen wir wieder zum Gaulager. Dort sangen wir mit den anderen Truchten zusammen. Erst anständige Lieder, hinterher ging es in Schlager über. So saßen wir eine ¾ Stunde. Beim Singen erwarteten wir dann Karl und Walter, die hinterher kommen mußten. Sie kamen aber nicht. Dann gingen wir zur Festwiese, welche aber eigentlich nur zum Teil mit Gras bewachsen war. Wir hatten uns kaum hingesetzt, als wir wieder aufstanden, weil wir abfahren mußten. Die Pyrmonter wollten noch nicht. Wir hatten gleich ein Boot zum Übersetzen ausfindig gemacht. Darum holte Kuddi gleich die Pyrmonter. Dann konnten wir uns wieder hinüberrudern. Wir konnten schon von weitem hier Feuer brennen sehen. Als wir hier im Lager ankamen, machten wir als erstes die Entdeckung, daß gegenüber von uns sich wieder welche mit zwei großen Zelten niedergelassen hatten (Beutel-Club). Sie wollen leider zwei Wochen hier bleiben. Karl und Walter fanden wir am Feuer sitzen und Fressalien kochen. Jetzt fangen wir an zu fressen. Nach dem Abendbrot lieh sich Hämek einen Ball. Damit warfen wir auf Tor. Dann bereiteten wir uns zum Pennen vor. Um 930 Nachtruhe. |
02. – Aufstehen um ¾ 7. Ich gehe mit Walter nach Neustadt.
Wir wollen Fleisch holen. Es gibt nichts mehr. Kaufen Nährmittel und
Bonbons für Ekke. Er hat Geburtstag. Am Donnerstag habe ich auch schon
einmal für 200 g Bolchen gekauft, machte für jeden 4 Stück.
Heute gibt es für Sonntag (morgen) für jeden ein Brötchen.
Wir haben zufällig 3 Brötchen zuviel gekriegt. Ich habe überhaupt
in der Beziehung Glück. Vorgestern habe ich erst 1 ½ Pfund Wurst
ohne Geld erhalten. – Walter und ich gehen extra langsam, weil wir nicht
mit zum Strandbad wollen. Dorthin sind wir eingeladen. Wir kommen gerade zurecht.
Die Boote legen gerade ab. So bleiben wir da. Gott sei Dank! Es sind noch
4 Mann im Lager ( Wolfgang, Fuchs, Walter und ich). Wir kochen uns ein prima
Mittagessen: 1 Kochgeschirr Kartoffeln, 1 Kochgeschirr Möhren und ein
Kochgeschirr- deckel voll Dosenfleisch von Fuchs. Wir werden alle satt. Zum
Abend gibt es Graupen. – Uns gegenüber haben sich wieder neue Detmolder
niedergelassen (Beutel-Club) – Um 7 Uhr kommen die anderen zurück. Es
war sehr langweilig drüben. |
| 9. Tag, 3.
August 1947 In der Nacht waren drei Mann zum Kartoffeln organisieren. Die Ausbeute waren 3 Rucksäcke. Die Expedition dauerte von 230 bis 430 Uhr. Dafür wurde aber auch bis 9 Uhr geschlafen. Nur die Milchholer mußten schon früher raus. Sie holen 6 ltr Milch aus Steinhude. Für heute ist Freizeit angesetzt. Zunächst aber muß das Mittagessen vorbereitet werden. Es gibt den Rest von Tatjes markenfreien Wurzeln. Dann wird gebadet. Nach dem Mittagessen ist für 1 Stunde Ruhe. Danach wird wieder gebadet. Um 7 Uhr gibt's Abendbrot (Nudeln). Wir haben Heinz, den alten Pfadfinderführer, dazu eingeladen. Weil er uns zu so vielen Kalorien verholfen hat. Nach dem Abendbrot gehe ich (Karl) mit Heinz zu den Pyrmontern. Wir singen am Lagerfeuer und Heinz erzählt von seinen früheren Fahrten als Pfadfinder. Um 11 Uhr bin ich zurück. Dann ist Zeltruhe. |
03. – Heute nacht waren wir unterwegs. Wir haben Kartoffeln geholt.
3 Rucksäcke voll. Wir waren von 2.30 bis 4.30 unterwegs. – Heute werden
6 Liter Milch geholt. Für den ganzen Tag ist Freizeit angesetzt. Wir
baden viel. Mittags gibt's Möhren. am Abend Nudelsuppe mit Milch. Wir
laden Heinz dazu ein. - Nach dem Essen ziehe ich mit Heinz zu den Pyrmontern.
Wir singen und Heinz erzählt von seinen Fahrten. Um 11 Uhr ist Zeltruhe. |
| 10. Tag, 4.
August 1947 Um 8 Uhr wurde geweckt, dann fuhren Karl, Kolmar und ich (Wolfgang Herbig) nach Steinhude. Wie wir dort ankamen gingen wir erst bei Wiko vorbei, dann machten wir die Einkäufe. Wie wir damit fertig waren gingen wir zum Landungssteg. Fuchs ging unterdessen zum Friseur. Wie wir hier ankamen hatten die anderen gebadet und sich Muscheln gekocht. Jetzt machten sie das Mittagessen fertig. Nach dem Mittagessen hatten wir eine halbe Stunde Ruhe. Während der Ruhezeit kam Fuchs aus Steinhude wieder, er war auch noch auf der Post gewesen und brachte Briefe aus Detmold mit. Nach der Ruhezeit machten wir eine Erprobung (Kartenkunde). Hiernach gingen die anderen baden; ich mußte hier bleiben, weil ich eine Blutvergiftung am Fuß hatte. Während sie badeten kam Heinz und wollte sein Zelt aufschlagen. Nach dem Baden hatten wir Sport und Heinz schlug sich sein Zelt auf. Karl und Hemmeck kamen mit den anderen vom Sport zurück, das Essen war aber noch nicht fertig. Da vertrieben wir uns die Zeit mit Rätselraten und sonstigen Spielen. Nach zwanzig Minuten war das Essen fertig. Es gab Pellkartoffeln. Danach haben wir am Lagerfeuer Lieder gesungen und etwas erzählt. Um 11 Uhr Nachtruh. |
04. – Ich fahre mit Fuchs und Wolfgang nach Steinhude. Wir holen Nährmittel.
fuchs geht zum Friseur und holt Post. – Es gibt Kartoffelbrei. Nachmittags
Sport und Baden. Als neues Springen haben wir den Salto. Zunächst sind
es lauter Rückenklatscher. – Zum Abendbrot gibt es Pellkartoffeln. Sie
werden nicht alle. – Heinz hat sein Zelt bei uns aufgeschlagen. Am Lagerfeuer
Singen und Erzählen. Um 11 Uhr Nachtruhe – Heute war Regatta auf dem
Steinhuder Meer. |
| 11. Tag, 5.
August 1947 Um 8½ Uhr Wecken. Danach ging es zum Waschen. Um 9½ Uhr wurde Kaffee getrunken. Dann wurde der Zeltgarten in Ordnung gemacht und Kartoffeln geschrappt. Hubert und Fuchs waren Koch. Das Wetter war nicht besonders, ab und zu fing es etwas an zu regnen, das hörte aber bald wieder auf. Um 12½ Uhr aßen wir Mittag. Dann war bis drei Uhr Freizeit. Nach dem Mittagessen wurde das Wetter wieder sehr heiß. Um 2½ Uhr gingen wir zum Baden. Dann gab es ein Gewitter. Während des Gewitters saßen wir im Zelt und sangen. Gegen Abend kam Blitz. Um Viertel nach sieben aßen wir Abendbrot. Nachher sangen wir noch am Lagerfeuer und lernten Lieder. Um halb elf machten wir uns zum Schlafen fertig. Um elf Uhr war Nachtruhe. |
05. – Am Morgen zeitweise Regen. Nachmittags warm und gut. Heute besucht
uns blitz. Er spricht mit Hemmek und mir. Wir sollen morgen rüberkommen
zum Strandbad .- Am Nachmittag ein Gewitter. Das Wetter wird wohl schlechter
werden. |
| 12. Tag, 6.
August 1947 Morgens 700 aufstehen und waschen, Frühstück und Zelt sauber machen. Einkaufen gingen Karl, Bronsema, Fuchs und Ecke. Am Nachmittag sind wir eingeladen bei der Bukitrucht, deshalb sollen wir was lernen zum vorführen und das machen wir, nachdem das Zelt sauber war. Nach dem Üben putzten wir die Kartoffeln und holten Wasser zum Kochen. Nach dem Kochen kam Butter und Milch in die Kartoffeln und sie wurden gestampft. Dann hieß es fertig machen zum Essen. Nach dem Essen Geschier spülen. Die anderen haben in der Zeit Freizeit von halb vier bis vier Uhr. Als die Freizeit zuende war mußten zwei Mann Holz suchen. Die anderen mußten Gemüse putzen und das wurde nachher gekocht. Ungefähr nach einer Stunde war das Essen fertig und wir aßen. Nach dem Essen konnten wir schon ins Bett gehen; da sangen wir dann Lieder als bis es dann hieß Nachtruhe. |
06. – 7.00 Wecken. Ich gehe bzw. fahre mit Rolf Bronse, Fuchs und
Ekke zum Einkaufen. Es ist starker Seegang. Ich habe nie geglaubt, daß
das Steinhuder Meer solche Wellen haben könnte. Wellenberg bis Wellental
rund 100 bis 120 cm. Unser Boot hat eine gute Fahrt. Die Spritzer fliegen
bis ins Segel. – Wir hole Nährmittel und Gemüse. – Wir können
kein Boot zur Rückfahrt bekommen. Um 2 Uhr kommen wir endlich vom Strandbad
los. Die Überfahrt dauert 40 Minuten. Noch immer ist starker Seegang.
Auf dem Steg stehen schon die Pyrmonter. Sie wollen rüber. Ich warne
sie. Sie werden nicht zurückkommen. Der Beutel-Club zieht ab. Wir erhalten
2 Zentner Kartoffeln, Kohlen, Nährmittel usw. Auch zwei Flaschen Benzin.
– Mittags Kartoffelbrei, abends Gemüse. – Das Wetter ist schlechter
geworden, es regnet. |
| 13. Tag, 7.
August 1947 Morgens um 700 Uhr standen wir auf. Dann wuschen wir uns und tranken Kaffee. Kolmar und Stewens sind als Koch bestimmt. Die anderen mußten Kartoffeln und Gemüse putzen. Um 1 Uhr aßen wir Mittag. Dann hatten wir 1½ Stunde Freizeit. Nach der Freizeit gingen wir baden. Nur die Köche mußten als Lagerwache zurück bleiben. Nach dem Baden holten die anderen einen neuen Zeltmast. Dann kochten wir eine Milchsuppe für das Abendbrot. Nach dem Abendbrot erzählten wir uns noch etwas. Um ½ 11 gingen wir ins Bett. |
07. – Heute ist Sauwetter; windig und regnerisch. – Die Pyrmonter
kommen wieder. Nur zwei Mann haben den Weg durchs Moor gemacht. – Von dem
vielen Regen ist der Grundwasserspiegel gestiegen. Im Proviantzelt, wo zwei
Mann schlafen , ist es ganz feucht. Auch in Heinz seinem Zelt ist es naß.
– Am Nachmittag holen wir einen neuen Zeltmast, als das Zelt mal etwas abgetrocknet
ist. Jetzt haben wir viel mehr Platz. – Bei uns gegenüber sind schon
wieder Neue. Diesmal aus Herford. Sie kommen mit Federbetten und Tischen
im Auto. – Nach dem Abendbrot bade ich noch mit Kurt und Rolf Stephan. Hemmek
hatte groß angegeben, er wollte auch baden. Jetzt kneift er. – Heute
Nacht wird Wache geschoben, weil alle im großen Zelt schlafen. Wir
haben nämlich Besuch bekommen. Zwei Frauen und zwei Kinder. Sie haben
den Anschluß verpaßt und können nicht zurück nach Steinhude. |
| 14. Tag. 8.
August 1947 Heute um 800 Uhr Waschen. Anschließend Frühstück. Dann wurden wir zum Einkaufen nach Neustadt und Steinhude eingeteilt. Karl, Walter, Bronsema, Beutel, Stewens und Herbig gingen nach Neustadt. Kurti und ich (Fuchs) fuhren nach Steinhude um Brot. Wir bekamen 30 Pfd. Brotmarken mit, brachten 15 2-Pfd. Brote und noch für 8 Pfd Marken wieder zurück. Als wir zurück waren machten wir eine Erprobung. Zum Mittagessen kamen die Einkäufer aus Neustadt zurück. Dann aßen wir bis wir satt waren. Es gab Kartoffeln mit roten Beeten. Dann hatten wir Freizeit. Später wurde gebadet. Kaum fünf Minuten waren wir im Wasser, da es zu kalt war. Dann sangen wir. Später wurden Kartoffeln geschrabbt, welche wir zum Abendbrot brauchten. Dann wurde vorgelesen. Später wurde gegessen. Dann sangen wir und Karl teilte die Wachen ein. Um ½ 11 gab es Nachtruhe. |
08. – Das Wetter wird wieder besser. Ich gehe mit Walter, Beutel,
Wolfgang, Rolf und Lothar nach Neustadt. Wir holen Gemüsekonserven.
Jeder muß 8 Dosen tragen. Außerdem holen wir 4 ½ Pfund
Wurst und 2 ½ Pfund Fleisch. Ferner 6 Pfund Nährmittel. – Nachmittags
Baden. Ich kann jetzt einen richtigen Salto vom Steg, so daß ich mit
den Füßen ins Wasser komme. – Heinz hat sich neulich ein ganzes
Zelt geklaut. Ich glaube nicht, daß das Pfadfinderart ist. – Mittags:
Rote Beete; abends: Suppe mit Kartoffeln und Suppenpulver. Sie ist erst
um 9 Uhr fertig, weil das Holz so schlecht brennt. – Heinz schläft
wieder in seinem Zelt. Auch bei uns ist es feucht. Mir tun die Knochen weh.
Ich habe Rheuma oder so etwas. Aber das Wasser fällt. |
| 15. Tag, 9.
August 1947 Um 8 Uhr (wie die alten Weiber) schält sich das ganze Volk aus den Decken und Zeltbahnen. anschließend Waschen und „Morgentafel“. Hemmeck und Beutel haben die Ehre aus Steinhude Brot zu holen. Ebenfalls fahren Fuchs und Kurti nach Steinhude, um 4 Liter Milch zu holen. Die beiden Klappkaffer haben natürlich nicht aufgepaßt und bringen nur 3 Ltr. Das andere Volk muß mit vereinten Kräften den Zeltplatz in Ordnung bringen, da Horst heute erwartet wird. Um ½ 2 nehmen wir ein tadelloses Mittagessen ein. Es gibt Erbsen- und Bohnenkonserven mit Kartoffeln und Fleisch. Anschließend bis 4 Uhr Mittagsruhe. Anschließend watzt das ganze Volk zum Baden. Das Wasser ist eiskalt, aber das macht Männern mit unseren Figuren nichts aus. Nach dem Baden lernen wir das Lied „Turm um uns sich türmt“. Dann wird Abendbrot gegessen. Wir nehmen so viel ein, daß kein Knopf mehr zugeht. Dann machen wir uns fertig und ziehen zusammen zum Lager der Pyrmonter. Unterwegs treffen wir Horst und unseren Truchthund „Bobby“. Die Beiden gehen zu unserem Lager und kommen dann später nach. Anschließend ziehen wir zusammen mit den Pyrmontern zum Lagerfeuer. |
09. – Gestern abend habe ich unseren Gegenüber einen langen Strick
weggeholt. Den hätte ich Heinz vor der Nase weggeschnappt. Heute warten
wir den ganzen Tag auf Horst. Er will ja kommen. – der Zeltgarten wird in
Ordnung gebracht. Hemmek und Beutel sind nach Steinhude Brot einkaufen. Kurt
und Fuchs holen Milch. Um 13.30 ist Mittagessen. Es gibt Bohnen und Erbsen
(in einer Dose auf der „Schnittbohnen“ stand waren Erbsen) mit Kartoffeln
und etwas Fleisch. Letzteres ist sehr zäh. Bis 16 Uhr Mittagsruhe. Dann
Baden und danach lernen wir von Heinz das Leid „Turm um uns sich türmt“.
Das Abendbrot ist fertig, als wir fertig sind mit singen. Es wird ordentlich
gefuttert (Maisgrießbrei). Horst ist noch nicht da, und wir machen
uns auf den Weg zu den Pyrmontern. sie machen heute ihre Aufnahme der Neulinge.
Auf dem Weg zu ihnen treffen wir Horst und „Bobby“ (unseren Truchthund).
Horst ist barfuß, er ist vor dem Weißen Berg ausgesetzt worden,
die Schuhe unter dem einen Arm und ein Brot unter dem anderen. Walter zeigt
ihm das Lager und die beiden kommen nach. Die Feier findet auf dem ehemaligen
Lagerplatz der Litauer statt. anschließend Singen. An- und Rückmarsch
im Schweigemarsch. |
16. Tag, 10.
August 1947
730 Wecken. Anschließend Waschen. Nach dem Kaffeetrinken
Morgenfeier im Wald. Nach der Morgenfeier wird Gemüse fürs Mittagessen geputzt. Gegen 11 Uhr wollten die Pyrmonter uns einen Wimpel klauen. Die meisten Jungen von unserem Horst rannten hinter dem Wimpel her und eroberten ihn wieder. In Wirklichkeit hatte Horst es mit Addi verabredet, um zu erproben, ob wir auf unseren Wimpel aufpassen würden. Nachdem wir Mittag gegessen hatten, war Freizeit. Karl und Horst fuhren mit einem Faltboot zum Wilhelmstein. Nachmittags übten wir noch etwas für den Lagerzirkus, der abends bei den Pyrmontern stattfinden sollte. Dann Abendessen. Um halb 9 Uhr gehen wir zu den Pyrmontern. Der Lagerzirkus verläuft. Um 11 Uhr Ruhe! |
10. – Heut ist erst um ½ 8 Wecken. Es folgt eine Morgenfeier,
die Heinz gestaltet. Ich mache eine Aufnahme. – Es war gegen 11 Uhr, als
uns von den Pyrmontern ein Wimpel geklaut wurde. Alle stürmen hinter
dem Dieb her. Ich selbst beschleiche das Lager. Erfahre aber nur, daß
dort der Wimpel nicht ist. Ich kehre in unser Lager zurück; dort ist
Horst. Mit ihm schleiche ich wieder an das Pyrmonter Lager. Vom Weißen
Berg aus sehe durch Heinz’ Glas Hemmek mit Hubert und Lothar im Besitz des
Wimpels. Ganz gemächlich kehre ich zum Lager zurück. Dort erfahre
ich von Horst und Addi Eggers den wahren Sachverhalt. Der Wimpel ist nur weggeholt
worden, um unsere Wachsamkeit zu prüfen. – Nach dem Mittagessen holte
ich mit Horst das Faltboot der Pyrmonter. Wir fuhren zum Wilhelmstein. Die
Fahrt dauerte über zwei Stunden. Bobby war auch mit. Horst hat mir etwas
vom Paddeln gezeigt und den Rückweg bin ich fast allein gepaddelt. Unterwegs
mußten wir auf eine gefährliche Art die Plätze wechseln.
Horst mußte unter der vorderen Rückenlehne hindurch nach hinten
kriechen und ich mußte über ihn hinweg nach vorn steigen. Als
wir, Hemmek und ich, das Boot zu den Pyrmontern zurückgebracht hatten,
machten wir einige Vorbereitungen zum Lagerzirkus, der bei den Pyrmontern
stattfinden soll. Um 20.30 ziehen wir zu den Pyrmontern. Sie sind noch beim
Essen. Jedesmal, wenn ich eines ihrer Zelte betrete, werden mir zwei Wachen
nachgeschickt. sie haben eine furchtbare Angst, daß ich einen Wimpel
klauen könnte. – Der Lagerzirkus hatte gerade begonnen, als auf dem
nahen Weg Günter Meise und Bosse vorüberkommen. Hemmek und ich folgen
ihnen bis zu ihrem Lager. sie sind zusammen mit Studienrat Wunderlich hier,
der gestern gekommen ist. – Als wir zurückkommen, ist der Zirkus fast
zuende. Wir haben nichts mehr gemacht. Die anderen erzählen mir, daß
nicht allzuviel geboten worden wäre. Um 23 Uhr wie immer Nachtruhe. –
Das Wetter ist gut. |
| 17. Tag, 11.
August 1947 Morgens 7 Uhr wecken. Kurz danach waschen und frühstücken. Dann Stopf- und Flickstunde. Wir baden, sonnen uns und baden wieder. Dazwischen werden Kartoffeln geschrabbt. ... Zum Mittag gibt es Kartoffeln und Spinat. Die Mittagsruhe folgt. Heinz muß abbrechen, er fährt mit den Pyrmontern ab. Wir lernen die Pflichtlieder. Danach Kaffeetrinken. Karl verteilt Brot, Butter und Marmelade. Das Vorabendessen füllt uns alle bis oben hin. Dann werden 5 Knoten gelernt und das Lager aufgeräumt. Um 22 Uhr Nachtessen. 22 ½ Uhr ist Bettruhe. Viertel nach 12 Uhr ein Geländespiel. Hemmegs Partei gewann. Um 2 Uhr ist es zu Ende. Dann geht es zurück ins Lager. Wir schlafen den letzten Rest der Nacht. |
11. – Wecken um 7 Uhr. Ich ziehe mit Horst nach Neustadt. Wir kaufen
Nährmittel und Käse ein. Walter ist nach Steinhude. Er holt Butter,
Zucker und Marmelade. Horst und ich sind um 2 Uhr zurück. Zum Mittag
gibt es Kartoffeln und Spinat. Heinz ist schon weg. Er fährt mit den
Pyrmontern heim. – Nach dem Baden, das der Mittagsruhe folgte, lehre ich
die Pflichtlieder. Die ersten beiden machen ihre Erprobung Pflichtlieder.
Dann verteile ich Butter, Käse und Marmelade. Bis Mittwoch (übermorgen)
bekommt jeder noch 100g Butter, einen Harzerkäse und 2 Eßlöffel
Marmelade. Um 6 Uhr gibt's Vorabendessen (Grießbrei). Wir machen einen
Geländelauf und Hemmek und ich besprechen das Nachtgeländespiel,
das wir heute abend machen wollen. Dabei sehen wir noch einmal nach Wunderlichs
Lager. Um 22 Uhr gibt es Nachtessen: Kartoffeln und Erbsensuppe. Wir können
alle schon wieder essen. Um 22.30 Uhr ist Nachtruhe. |
| 18. Tag, 12.
August 1947 Heute fangen wir schon an, für den Aufbruch, der nicht wie vorgesehen am Sonnabend, sondern schon am Mittwoch ist, alles klar zu machen. Morgens stehen wir etwas später auf, weil in der Nacht ein Geländespiel war. Nur die Proviantleute müssen früher raus. Und zwar sind dies: Fuchs, Kurt, Gottschalk für Milch und Wolfgang und Karl für Brot. Die Milchholer müssen die letzten 12 Liter Milch holen. Wolfgang und Karl holen zum letzten Male Brot und die letzte Post. Es gibt zum Mittag Erbsen und Bohnen. Um 11 Uhr hatte es schon einen Grützebrei gegeben. Bei uns nebenan sind drei Jungen aus Bückeburg angekommen. Sie werden unsere Nachfolger werden. Ihnen hinterlassen wir unser letztes Gemüse und unsere restlichen Kartoffeln. Von uns bekommt jeder eine Dose Gemüsekonserven und Trockengemüse. Am Nachmittag werden zum letzen mal 2 Pfd Brot verteilt. Zeltgarten und Sitzring werden zerstört. Um 4 Uhr gehen wir baden. Zum letzen Mal im Steinhuder Meer. Karl macht dabei Aufnahmen.
Abends singen wir am Lagerfeuer. Zu uns sind die Herforder von gegenüber gekommen. Sie singen mit. Um 11 Uhr ist Nachtruhe. – Zum Abend gab es einen Brei von dem Rest der Grütze den anderen Nährmitteln. Der Brei ist so dick, daß er mit Hilfe der Köche anbrennt. Aber dennoch ist der Kochtopf am Ende des Essens leer. |
12. – Nicht lange währte diese Ruhe, schon um 23.45 wecke ich
meine Leute. Um 24 Uhr geht's los, quer durch den Wald zum Kampfplatz. Um
0.20 sind wir dort. Ich stelle sofort Wachen aus. Hemmek, er bricht mit seine
Leuten um 0.15 auf, muß mit seinen Leuten, den Bleichgesichtern,
in ein Waldstück einbrechen und ein Fort besetzen. Wir warten und warten.
Es ist gegen 1.30 als Horst kommt. Gleichzeitig meldet mir Rolf Bronsema,
daß Hemmek im Wald ist. Ich breche in den Wald ein und schleiche mich
mit Beutel an das Fort heran. Ganz deutlich hören wir Stimmen, aber
als wir das Fort besetzen, ist niemand da. Gerade wollen wir es wieder verlassen,
als an einer Ecke des Waldes Hemmek zu pfeifen anfängt. Er läuft
am Fort vorbei. Ich sehe ihn im Mondlicht rennen, springe auf, achte nicht
auf den Weg und - rase mit voller Wucht in den Stacheldraht, vor dem
ich gerade noch gewarnt habe. Ich kann nicht wieder loskommen. Horst muß
erst mit dem Feuerzeug leuchten. 5 oder 6 Stacheln sitzen in meiner Jacke.
Im linken Bein habe ich 3 Wundengruppen von unten bis oben. Mein linker Arm
schmerzt. Inzwischen sind die anderen, die Bleichgesichter ins Fort gekommen,
die Rollerei beginnt. Der Zufall will es, daß alle meine Leute unten
liegen, als Horst das Schlußzeichen gibt. Die Rothäute haben
demnach verloren. Die eigentliche Spielentscheidung folgt später. –
Wecken ist erst um 9 Uhr; nur die Proviantleute müssen früher raus.
Es sind: Wolfgang, Kurt, Gottschalk, Fuchs und meine werte Person. Es müssen
noch Milch, Brot und die letzte Post geholt werden. Am Ratskeller müssen
wir feststellen, daß Wolfgangs Fahrrad gestohlen worden ist. Wir hatten
es dort untergestellt und seit ungefähr 2 Wochen nicht mehr danach
gesehen. Rückfahrt vom Strandbad. Wir müssen rudern. Dann Mittagessen.
Es gibt Erbsensuppe. Aber sehr dick. Ich esse 2 Schlag süße Suppe
(vom Vormittag), die übrigens auch ein fester Brei ist und 7 Schlag
Erbsen und Kartoffeln. – Am Nachmittag müssen Walter und Beutel noch
einmal zum Ratskeller. Sie haben das Rad zum letzten Mal gesehen. – Ich mache
in der Mittagsruhe die Marken und das Geld fertig. An jeden wird eine Dose
Gemüsekonserven und ein Päckchen Trockengemüse verteilt. Den
Rest der Kartoffeln erhalten unsere Nachfolger, 3 Jungen aus Bückeburg..
– Dann ist Erprobung „Pflichtlieder“. Danach wird gebadet. Ich mache 3 Aufnahmen
vom Wasser aus. Wir baden zum letzten Mal. – Anschließend „Knoten“.
– Der Grützbrei zum Abendbrot ist angebrannt. – Lagerfeuer und Singen.
Die Herforder kommen und singen mit. – Unseren Lagerplatz haben wir schon
in Ordnung gebracht. Um 23 Uhr Ruhe. |
| Hier endet das Fahrtentagebuch. Der letzte,
der Abreisetag ist nur noch in meinem Tagebuch dokumentiert. Er war nicht
aufregend. Letzter Tag, 13. August 1947 Wecken um 6 Uhr. Die Nacht über wurde Wache geschoben. Zeltabbruch.
Im kleinen Zelt haben diese Nacht wieder mal welche geschlafen – Lothar Stewens darf keine Abzeichen und kein Fahrtentuch mehr tragen, weil er sich gestern unwürdig benommen hat (worin das allerdings bestand oder warum Horst diese Strafe ausgesprochen hat, ist leider nicht vermerkt) – Um 9 Uhr fahren wir mit dem ersten Boot nach Steinhude. ... Um 1138 Uhr fährt unser Zug nach Wunstorf. Dort haben wir bis 1435 Aufenthalt. Der Zug nach Herford ist sehr voll, aber alle, einschließlich Bobby und Zelt kommen mit. Um 1715 sind wir in Herford. Von dort weiter um 18 Uhr.
Kurz vor 7 langen wir in Detmold an. Das Zelt geben wir erst einmal auf.
Vor dem Bahnhof verknipse ich das letzte Bild.Um halb acht Ankunft zu Hause. Ich gehe bald schlafen. |