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"Verehrte An- und Abwesende!
Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen
in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind.
Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche
Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers
und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.
Denkt an Oersted, der zuerst die magnetische Wirkung elektrischer Ströme
bemerkte, an Reis, der diese Wirkung zuerst benutzte, um auf elektromagnetischem
Wege Schall zu erzeugen, an Bell, der unter Benutzung empfindlicher Kontakte
mit seinem Mikrophon zuerst Schallschwingungen in variable elektrische
Ströme verwandelte. Denkt auch an Maxwell, der die Existenz elektrischer
Wellen auf mathematischem Wege aufzeigte, an Hertz, der sie zuerst mit
Hilfe des Funkens erzeugte und nachwies. Gedenket besonders auch Liebens,
der in der elektrischen Ventilröhre ein unvergleichliches Spürorgan
für elektrische Schwingungen erdachte, das sich zugleich als ideal
einfaches Instrument zur Erzeugung elektrischer Schwingungen herausstellte.
Gedenket dankbar des Heeres namenloser Techniker, welche die Instrumente
des Radio-Verkehres so vereinfachten und der Massenfabrikation anpassten,
dass sie jedermann zugänglich geworden sind.
Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der
Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst
haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen
frisst.
Denket auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie
möglich machen. Denn sie erleichtern nicht nur des Menschen Tagewerk,
sondern machen auch die Werke der feinsten Denker und Künstler, deren
Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen war, der Gesamtheit
zugänglich und erwecken so die Völker aus schläfriger Stumpfheit.
Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion
zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung. Bis auf unsere
Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich durch
den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennen. Der Rundfunk
zeigt sie einander in lebendigster Form und in der Hauptsache von der
liebenswürdigen Seite. Er wird so dazu beitragen, das Gefühl
gegenseitiger Fremdheit auszutilgen, das so leicht in Misstrauen und Feindseligkeit
umschlägt.
Betrachtet in dieser Gesinnung die Ergebnisse des Schaffens, welche diese
Ausstellung den staunenden Sinnen des Besuchers darbietet."
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