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vorgestellt von Arno Klönne
Eine ganze Buchgattung lebt davon wer im öffentlichen Leben seine Rolle gespielt hat und ins Altenteil hinübergerückt ist, erzählt gern Autobiographisches, und das kann dann freimütiger geschehen als in Zeiten gesellschaftlicher Aktivität. Solcherart Veröffentlichungen werden seit der “Wende” auch von ehemals Prominenten der DDR vorgelegt, und einige davon sind sehr lesenswert. Bemerkenswerterweise erfahren wir daraus auch, dass so mancher, der im ostdeutschen Staat wichtige Positionen innehatte, in jungen Jahren jugendbewegt war. Über zwei Beispiele soll hier berichtet werden.
Unter dem Titel “Freunde sterben nicht” berichtet Markus Wolf, bis 1986 Chef der Auslands-“Aufklärung” der DDR, aus der Lebensgeschichte von Menschen, die ihm unvergessen geblieben sind, so über seinen frühesten Freund Martin, der ihn kurz vor 1933 in Stuttgart in das Milieu von dj.1.11 einführte. Nach 1945 kam Markus Wolf auch beide waren für den (Ost-)Berliner Rundfunk tätig mit tusk zusammen, aber ihm war nicht bewusst, dass es sich bei Eberhard Koebel um “das sagenumwobene, charismatische Vorbild unserer Kindheit” handelte … Einfühlsam erzählt Wolf vom Schicksal der drei älteren Brüder seines Freundes Martin, allesamt dj.1.11er, wegen illegaler bündischer Tätigkeit verfolgt und dann freiwillig Soldaten im hitlerdeutschen Krieg.
Ebenso lesenswert ist die Autobiographie von Karl-Heinz Gerstner, unter dem Titel “Sachlich, kritisch, optimistisch”. Der Autor, Journalist und Jurist, war einer der beliebtesten Funk- und Fernsehstars der DDR. Vor 1933 war er Pfadfinder und dann dj.1.11er, Mitbewohner der “Rot-Grauen Garnison” in Berlin. Er war der Protokollant bei dem Treffen der “Reichshorte” von dj.1.11 im Dezember 1931, als es um den politischen Weg der Jungenschaft ging. Aufschlussreich erzählt Karl-Heinz Gerstner in seinem Buch über die kulturellen Interessen in der bündischen Szene Anfang der Dreißiger Jahre. Nach 1945 ist auch Gerstner tusk (wieder)begegnet, den er aus den alten Zeiten gut kannte; er berichtet:
“Ich traf ihn in seiner Wohnung in Pankow, Fiorastraße 4, und war erschrocken über sein Äußeres. Er war zusammengefallen, aus tiefen Augenhöhlen sahen mich müde Augen an. Was war aus dem leidenschaftlichen Jugendführer geworden? Ich besuchte ihn, so oft ich konnte, weil ich fühlte, dass es ihm ein Trost war, über die Vergangenheit zu sprechen ... 1955 starb er. Er wollte nicht mehr.”
Bei Markus Wolf und bei Karl-Heinz Gerstner wird, über die Erinnerung an Menschen aus der Jugendbewegung hinaus, die Widersprüchlichkeit deutscher Lebenswege in den Jahren vor, unter und nach dem NS-Regime sehr deutlich. Da schreiben zwei Autoren, die sich auf die Seite der Kommunisten gestellt haben, aber sie trimmen Zeitgeschichte nicht auf die ideologischen Konstrukte einer Partei zurecht.
Markus Wolf: Freunde sterben nicht
Heyne 2004. 7,95 € 160 S. ISBN 3453872614
Karl-Heinz Gerstner: Sachlich, kritisch, optimistisch
Das neue Berlin 1999
447 S., ISBN 393218078X

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