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Wir, die Mitglieder der unterzeichnenden Bünde und jugendbewegte Einzelne,
sind zutiefst erschüttert über die Geschehnisse der letzten Zeit in Deutschland.
Offener oder versteckter Ausländerhass, blinder Chauvinismus und rechtsextreme
oder nazistische Ansichten toben sich wieder in plumper Gewalt auf unseren
Straßen aus.
Zum Wesen unserer Bünde gehört es, mit unseren Gruppen auf Fahrt zu gehen.
Ob in Italien, Griechenland oder in der Türkei, ob in Europa oder anderswo,
die Erfahrungen mit den Bewohnern dieser Länder sind in weit überwiegendem
Maße positiv. Gastfreundschaft und Interesse werden uns auch von Menschen
entgegengebracht, die Opfer des deutschen Nationalismus waren. Gerade
weil wir auf unseren Fahrten in andere Länder fremde Kulturen und Sitten
akzeptieren lernen, haben wir kein Verständnis für die Fremdenfeindlichkeit,
die sich nun wieder in Deutschland ausbreitet.
Wir versuchen aus der Geschichte zu lernen. Denn auch die Geschichte der
Jugendbewegung ist von Anpassung und Anbiederung an die nationalsozialistischen
Machthaber geprägt. Aber es gab andere, die gerade aus jugendbewegtem
Geiste heraus den Mut fanden, der Diktatur Widerstand zu leisten. Gerade
diesen, viel zu wenigen, Aufrechten und Aufrichtigen fühlen wir uns heute
verpflichtet.
Die unterzeichnenden Bünde und Einzelnen wollen, so wie es in der Meißnerformel
von 1913 steht, "Nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in
innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten". Innere Wahrhaftigkeit und
eigene Verantwortung bedeuten aber auch, nicht schweigend zuzusehen, wenn
die grundlegenden Voraussetzungen für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie
wieder in Frage gestellt werden.
Wir fordern nicht nur die Politiker, sondern alle, im besonderen natürlich
die Angehörigen der Jugendbewegung, dazu auf, sich schützend vor unsere
ausländischen Mitmenschen zu stellen und nicht zu den Ereignissen zu schweigen.
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